Thomas Morus (1478-1535)

Thomas Morus gilt als Mann der Welt, als Freund der Wissenschaft und Kunst, Freund der Freundschaft, vor allem aber als Freund Gottes. Er liebte diese Erde, die Menschen und vor allem Gott. Mutig blieb er immer bei dem, was er in seinem Gewissen als richtig erkannte; dafür lebte er und dafür starb er.

Der bekannteste Satz von Thomas Morus lautet:
"Nie hätte ich daran gedacht, einer Sache zuzustimmen, die gegen mein Gewissen wäre."
Dieser Satz sollte nicht nur für die KJG von großer Bedeutung sein. Zu seiner eigenen Meinung zu stehen, kritisch mitzudenken, auf das eigenes Gewissen zu hören und daraus zu handeln und dabei niemals den Humor zu verlieren, sind Eigenschaften, die für alle Menschen gelten sollten.

Thomas Morus


Hallo, mein Name ist Thomas Morus. Eigentlich müsste ich sagen "war", denn ich wurde am 06. Juli 1535 enthauptet. Aber davon später, ich beginne erst mal von vorne: Geboren wurde ich als Thomas More; das war am 7. Februar 1478 in London. Da aber eine lateinische Endung des Familiennamens zu meiner Zeit bei gelehrten Leuten gerade "in" war, nannte man mich Morus. Mein Vater war ein sehr erfolgreicher Richter am Obersten Königlichen Gerichtshof. Ich fand das toll, trat deswegen in die Fußstapfen meines Vaters, und wurde Anwalt, Politiker, Gelehrter, Philosoph und Schriftsteller (mein bekanntestes Werk ist "Utopia"), sowie Mitglied des Unterhauses und Ritter. Als überzeugter Christ habe ich lange überlegt, ob ich Mönch oder eher Jurist werden sollte. Schließlich entschied ich mich dafür eine weltliche Laufbahn einzuschlagen was mich aber in keinster Weise daran gehindert hat, mich mit theologischen Fragen zu beschäftigen. In der Zeit, in der ich lebte, dem Mittelalter, herrschte der Glaube an die Vorbestimmung des Menschen durch sein unentrinnbares Schicksal. Ich allerdings erzog meine vier Kinder Margarete, Elizabeth, Cecily und John so, dass sie aus der Vernunft und Handlungsfreiheit handelten, die Gott jedem Menschen gegeben hat. So konnten auch meine drei Töchter eine akademische Ausbildung machen, was gar nicht selbstverständlich war, weil Mädchen damals normalerweise nicht einmal die Schule besuchen durften. Ich will ja nicht prahlen, aber ich war ein überaus erfolgreicher und angesehener Politiker! So gelang es mir beispielsweise zwischen Franz I von Frankreich und Kaiser Karl V Frieden zu stiften. 1529 wurde ich sogar Lordkanzler des Königreiches England. In diesem regierte damals noch König Heinrich VIII. Der besonders wegen seiner zahlreichen Ehefrauen sehr bekannt war. Doch dieser Heinrich hat gegen ein strenges Gebot der Kirche verstoßen, als er seine Ehe mit Katharina von Aragon auflösen wollte, um Anna Boleyn zu heiraten. Da der Papst diese Ehe nicht anerkennen wollte, trennte sich Heinrich der VIII von der römisch-katholischen Kirche und machte sich selbst zum Oberhaupt der englischen Kirche. Von mir und allen anderen Untertanen verlangte er einen Eid, dass wir sein Vorhaben billigten. Aber nix da, den verweigerte ich! Ich legte lieber meine 32 Ämter nieder, als ihm zuzustimmen! Daraufhin wurde ich im Tower eingesperrt und schließlich hingerichtet. Aber so blieb ich auch noch dort meinem Glauben und meinem Gewissen treu. Meinen Humor, für den ich sehr bekannt war habe ich übrigens nie verloren. Noch heute wird gerne erzählt, dass ich den Henker bei der Hinrichtung gebeten habe, beim Zuschlagen mit dem Beil auf meinen Bart zu achten, da dieser keinen Hochverrat begangen habe. Außerdem bat ich meinen Schwiegersohn, dem Henker für seine Arbeit ein Goldstück zu geben! Meine letzten Worte sind ein Gebet für den König gewesen: "Ich sterbe als des Königs treuer Diener, vor allem aber als ein treuer Diener Gottes!" Heute bin ich Patron der KJG und auch gleichzeitig (was nur die wenigsten wissen) Patron der Politiker. Passt ja eigentlich auch ganz gut, da beide, die Politiker und die KJG Interessen anderer Leute vertreten, ob das nun die Interessen der Kinder und Jugendlichen oder die der Bevölkerung sind. Thomas Morus gilt als Mann der Welt, als Freund der Wissenschaft und Kunst, Freund der Freundschaft, vor allem aber als Freund Gottes. Er liebte diese Erde, die Menschen und vor allem Gott. Mutig blieb er immer bei dem, was er in seinem Gewissen als richtig erkannte; dafür lebte er und dafür starb er.


(Quelle: Religiöse Elemente in der Kindergruppe, Matthias-Grünewald-Verlag; www.heiligenlexikon.de)